Welche Taxonomien für Foodblogs wirklich sinnvoll sind
Bei einer Migrations-Übernahme im letzten Quartal hatten wir einen Foodblog mit acht parallelen Taxonomien: Kategorien, Tags, Küchen, Zubereitungsarten, Anlässen...
Bei einer Migrations-Übernahme im letzten Quartal hatten wir einen Foodblog mit acht parallelen Taxonomien: Kategorien, Tags, Küchen, Zubereitungsarten, Anlässen, Schwierigkeitsgraden, Saison und Zutaten. Klingt nach Organisation, war in Wahrheit ein Filter-Karussell, das niemand mehr durchschaut hat. Eine Erdbeermarmelade hing in vier davon gleichzeitig, und wenn du auf den Frontend-Filter geklickt hast, kamen je nach Kombination 0, 12 oder 47 Rezepte zurück. Genau diese Situation lässt sich mit einer Planungsregel vermeiden, bevor das erste Rezept online geht.
Diese Lektion baut auf Lektion 1 auf, die Begriffe Taxonomie, Begriff (de) / Term (en) und Archivseite setze ich hier voraus.
Drei bis vier Ordnungssysteme. Mehr nicht.
Nur weil WordPress unbegrenzt viele Taxonomien erlaubt, heißt das nicht, dass du sie alle brauchst. Starte mit maximal drei bis vier Ordnungssystemen. Bei den meisten Foodblogs, die wir betreuen, reicht das klar:
- Rezeptkategorien (hierarchisch), deine Hauptordnung. Hauptgerichte, Desserts, Salate, Suppen, Frühstück. Jedes Rezept hängt in genau einem Ast.
- Eine Querschnitts-Taxonomie, eine Eigenschaft, die in mehreren Kategorien-Ästen vorkommt. "Ernährungsweise" (Vegan, Vegetarisch, Glutenfrei) ist der häufigste Fall.
- Optional eine zweite Querschnitts-Taxonomie, wenn deine Leserinnen tatsächlich danach suchen, typische Kandidaten sind "Saison", "Küche" oder "Anlass". Nicht alle drei.
Tags? Bei den meisten Foodblogs würde ich sie komplett weglassen. Was als Tag attraktiv klingt, "schnell", "einfach", "unter 30 Minuten", gehört entweder ins Rezept-Plugin als Zubereitungszeit-Feld oder als Begriff in eine bestehende Custom Taxonomy. Tags sind in 90 Prozent der Fälle eine zweite, ungeordnete Tag-Wolke parallel zu deiner sauberen Struktur, also genau das Problem aus Lektion 1.
Das Eindeutigkeitsprinzip
Die wichtigste Planungsregel dieses Kurses, sie steht hier in Lektion 2 und kommt in Lektion 3 als Ausgangspunkt für die primäre Kategorie und in Lektion 6 als Prüfpunkt der Checkliste wieder vor:
Jedes Rezept liegt in genau einem Kategorien-Ast.
Konkret heißt das: Eine Erdbeermarmelade hängt entweder in "Frühstück" oder in "Marmeladen", aber niemals parallel in beiden, egal wie verlockend das klingt. Sobald ein Rezept in zwei gleichwertigen Kategorien steckt, hast du:
- zwei Archivseiten, die dasselbe Rezept zeigen, Duplicate Content
- einen Breadcrumb, den WordPress alphabetisch wählt, also fast immer den falschen
- einen Permalink, den WordPress nach niedrigster ID auswählt, also auch nicht den, den du dir wünschst
Die Reparatur dieses Problems heißt "primäre Kategorie" und ist Thema in Lektion 3, aber sie ist eine Reparatur, kein Default. Wer in Lektion 2 sauber plant, braucht das Werkzeug aus Lektion 3 in der Praxis kaum.
Negativ-Beispiel: Frühstück und Marmeladen parallel
Du legst zwei gleichwertige Kategorien an: "Frühstück" und "Marmeladen". Beide direkt unter der Wurzel, beide auf gleicher Ebene. Eine Erdbeermarmelade gehört in beide. Eine Brioche gehört in "Frühstück", aber nicht in "Marmeladen". Was passiert?
- Die Erdbeermarmelade landet in zwei Archiven (Mehrfachzuordnung)
- Im Breadcrumb erscheint alphabetisch zuerst "Frühstück", weil F vor M kommt, auch wenn du dir "Marmeladen" gewünscht hättest
- Beide Archivseiten ziehen Crawl-Budget, weil sie überlappende Beiträge zeigen
Saubere Variante: Marmeladen als Unterkategorie von Frühstück
Du machst "Marmeladen" zu einer Unterkategorie von "Frühstück". Die Erdbeermarmelade hängt nur in "Marmeladen", und damit automatisch im Ast "Frühstück → Marmeladen". Eine Brioche hängt nur in "Frühstück". Was passiert?
- Jedes Rezept liegt in genau einem Ast
- Der Breadcrumb wird automatisch sauber: Startseite → Frühstück → Marmeladen
- Das Archiv "Frühstück" enthält alle Frühstücks-Rezepte (auch die aus "Marmeladen", weil hierarchisch)
- Das Archiv "Marmeladen" enthält nur die Untergruppe, beides hat einen klaren Zweck
Das ist die Arbeit, die du vor dem ersten Rezept machst. Hinterher ist sie das Drei- bis Fünffache an Aufwand.
Hierarchie und Querschnitt: zwei Achsen
Manche Eigenschaften deiner Rezepte gehören nicht in den Kategorienbaum, weil sie quer dazu laufen. Die gängige Falle: Du legst "Vegan" als eigene Kategorie an. Dann hast du gleich zwei Probleme, erstens passt "Vegan" nicht in die Hierarchie deiner Hauptgerichte (es ist kein Gericht-Typ), zweitens würde eine vegane Pasta in zwei Kategorien hängen müssen, also Mehrfachzuordnung.
Sobald ein Merkmal in mehreren Ästen deiner Hierarchie auftaucht, gehört es in eine eigene Taxonomie und nicht in den Kategorienbaum. Genau das macht eine Querschnitts-Taxonomie:

Die durchgezogenen Linien sind die Hierarchie: Hauptgerichte → Pasta → Spaghetti-Rezepte → Spaghetti Bolognese. Jedes Rezept liegt in genau einem Pfad. Die gestrichelten Linien sind die Querschnitts-Taxonomie "Ernährungsweise": "Vegan" oder "Fleisch" als Eigenschaft, die quer zur Hierarchie verteilt wird. Innerhalb der Spaghetti-Rezepte gibt es Fleisch und Vegan, also kann "Vegan" keine Unterkategorie von "Pasta" sein.
Diese zwei Achsen sind das Modell, das in den meisten Foodblogs trägt: eine hierarchische Hauptordnung plus eine oder zwei Querschnitts-Taxonomien für Eigenschaften, die quer dazu laufen.
Die Fünf-bis-zehn-Rezepte-Grenze
Jeder Begriff in einer Taxonomie erzeugt eine Archivseite. Damit diese Archivseite kein Thin Content wird, sollte sie eine sinnvolle Anzahl Beiträge enthalten. Unsere Faustregel:
Pro Begriff mindestens fünf bis zehn Rezepte. Sonst nicht anlegen.
Wenn du "Japanisch" als Begriff der Taxonomie "Küche" anlegst, aber realistisch nur zwei japanische Rezepte planst, hast du eine fast leere Archivseite und gleichzeitig eine fehlende: Wenn nächstes Jahr "Koreanisch" und "Vietnamesisch" dazukommen sollen, hast du drei Begriffe mit je zwei Rezepten statt einen Begriff "Asiatisch" mit sechs.
Die Grenze ist keine Regel mit drei Nachkommastellen, sie ist eine Erinnerung daran, dass jeder Begriff Pflege bedeutet. Im Zweifel: gröber gruppieren, lieber zusammenfassen, Begriffe sammeln, statt parallel anlegen.
Der 20-bis-30-Rezepte-Planungstrick
Bevor du eine einzige Taxonomie anlegst, schreib dir 20 bis 30 Rezepte auf, die du in den nächsten Monaten veröffentlichen willst. Auf Papier, in einer Tabelle, egal wie. Dann gruppiere sie:
- Welche Rezepte gehören thematisch zusammen?
- Welche Eigenschaften sind in mehreren Gruppen vertreten? (Das sind deine Querschnitts-Taxonomien.)
- Wie viele Rezepte hat jede Gruppe? (Unter fünf → zusammenlegen oder weglassen.)
Die Gruppen, die sich aus deiner Rezept-Liste natürlich ergeben, sind deine Taxonomien. Nicht andersherum, also nicht erst eine schöne Struktur ausdenken und dann Rezepte hineinquetschen. Das ist der Unterschied zwischen einer Struktur, die in zwei Jahren noch trägt, und einer, die du in zwei Jahren komplett umräumen musst.
Mach das jetzt: Öffne ein leeres Dokument oder eine Tabelle, schreib 20 Rezeptideen auf, die du wirklich kochen und bloggen willst. Gruppiere sie. Markiere die Gruppen mit weniger als fünf Rezepten, wenn du dort nicht in absehbarer Zeit Nachschub planst, wird daraus keine eigene Kategorie und kein eigener Begriff. Heb diese Liste auf, du brauchst sie in Lektion 3 für die Permalink-Entscheidung und in Lektion 6 für die Checkliste.
Custom Taxonomies anlegen, kurz technisch
Wo du Custom Taxonomies tatsächlich anlegst, hängt von deiner Rezeptlösung ab:
- Rezept-Plugin: Viele Plugins bringen ihre eigenen Taxonomien mit (z. B. "Course", "Cuisine") und stellen sie im Backend zur Verfügung. Welche genau, steht in der Plugin-Doku.
- Theme: Manche Themes registrieren eigene Taxonomien speziell für Rezepte. In diesem Kurs bleibt das theme-unabhängig.
- Generisches Custom Post Type Plugin: Wenn dein Plugin oder Theme keine eigene Lösung bringt, registrieren Tools wie Custom Post Type UI eine Taxonomie über eine Backend-UI, ohne PHP zu schreiben.
Welcher Weg für dich passt, hängt davon ab, was du schon im Einsatz hast. Lege keine Taxonomie nur an, weil sie technisch möglich ist, leg sie an, weil deine 20 Rezepte aus dem Planungstrick sie tatsächlich verdienen.
Im nächsten Schritt schauen wir uns die Permalinks an: Welche URL-Struktur du wählst, wie Breadcrumbs darauf aufbauen, und warum die primäre Kategorie nur eine Reparatur ist, falls du das Eindeutigkeitsprinzip dieser Lektion nicht durchhalten kannst.
Wenn du diese Lektion gelesen hast, markiere sie als abgeschlossen.
