Der Markt ist voll — aber nur, wenn du in eine Richtung schaust

Google "vegane Rezepte" und du bekommst über 500 Millionen Ergebnisse. Klingt hoffnungslos. Und wenn du den typischen "50 Blog-Nischen-Ideen"-Artikel liest, findest du dort exakt dieselben Vorschläge, die 10.000 andere Blogger vor dir gelesen haben. Vegane Küche. Low Carb. Meal Prep. Italienisch. Glutenfrei.

Das Problem ist nicht, dass der Markt voll ist. Das Problem ist, dass fast alle Blogger in derselben Dimension denken: Küche mal Diät mal Zubereitungsmethode. Das ergibt eine dreidimensionale Matrix, in der tatsächlich fast jedes Feld besetzt ist. Kein Wunder, dass sich "alles voll" anfühlt.

Aber es gibt mindestens fünf weitere Dimensionen. Und in diesen Dimensionen existieren Nischen, die niemand bedient — nicht weil sie schlecht sind, sondern weil niemand auf die Idee kommt, dort zu suchen.

Dieser Artikel liefert dir keine weitere Liste mit 50 Nischen-Ideen. Listen sind wertlos, weil sie am nächsten Tag veraltet sind. Stattdessen bekommst du zwei Denkwerkzeuge: Das Blickwinkel-Modell zeigt dir, wo unbesetzte Nischen liegen. Das Leser-Röntgenbild zeigt dir, ob deine Nische tragfähig ist. Und dann reden wir über einen blinden Fleck, den fast kein Nischen-Guide erwähnt: Nischen, die auf Google gar nicht existieren — und warum das 2026 kein Nachteil mehr ist.

Das Blickwinkel-Modell: 5 Achsen für deine Nische

Die meisten Blogger denken in einer einzigen Dimension, wenn sie ihre Nische wählen: dem Produkt. Was koche ich? Welche Küche? Welche Diät? Das ist Achse 1. Und dort spielt sich 95 % des Wettbewerbs ab.

Aber eine Nische ist nicht nur das WAS. Sie kann auch das WER sein, das WARUM, das WIE oder der KONTEXT. Fünf Achsen, fünf völlig unterschiedliche Blickwinkel auf dasselbe Thema.

Das Blickwinkel-Modell

5 Achsen, um deine Blog-Nische zu finden — jenseits der offensichtlichen Ideen

DeineNischeWASProduktWERIdentitätWIEFormatWARUMEmotionKONTEXTUmständeKücheDiätMethodeStudentinAlleinerziehendASMRFood ScienceNostalgieComfort FoodMini-KücheSchichtarbeit
Achse 1: Das WAS
  • Schwäbische Küche (regional)
  • Fermentation für Anfänger
  • Veganes Backen ohne Zucker
Achse 2: Das WER
  • Alleinerziehend & berufstätig
  • Studentin ohne Küche
  • Männer, die nie kochen lernten
Achse 4: Das WIE
  • ASMR-Kochen (rein sensorisch)
  • Food Science (Chemie erklärt)
  • Food History & Geschichten
Achse 3: Das WARUM
  • Comfort Food & Nostalgie
  • Intuitives Essen vs. Diätkultur
  • Food Grief: Kochen durch Trauer
Achse 5: Der KONTEXT
  • Histaminintoleranz / Reizdarm
  • Mini-Küche oder Wohnmobil
  • Kochen mit 5 € pro Tag
WAS(Produkt)
KücheDiätMethodeZutat
WER(Identität)
AlleinerziehendStudentinMänner ohne Kocherfahrung
WARUM(Emotion)
NostalgieComfort FoodIntuitives Essen
WIE(Format)
ASMRFood ScienceFood History
KONTEXT(Umstände)
Mini-KücheSchichtarbeit5 €/Tag
Die Pointe

Eine gute Nische kombiniert mindestens zwei Achsen. „Vegane Rezepte“ ist Achse 1 allein — übersättigt.

„Veganes Meal Prep für Schichtarbeiter mit Reizdarm“
= WAS + WER + KONTEXT — und hat null Wettbewerb.

Achse 1: Das WAS (Produkt)

Küche, Diät, Zutat, Methode. Hier tummeln sich fast alle Food-Blogs: vegane Rezepte, italienische Küche, Thermomix-Gerichte, glutenfreies Backen. Der Wettbewerb ist brutal, weil jeder Nischen-Guide genau diese Achse empfiehlt.

Aber auch auf Achse 1 gibt es Lücken. Schwäbische Küche hat deutlich weniger Konkurrenz als "deutsche Rezepte". Fermentation für Anfänger ist eine Methoden-Nische, die wächst, weil Kimchi und Kombucha Mainstream werden. Hülsenfrüchte als Hauptzutat — nicht als Beilage — ist eine Zutat-Nische, die im Kontext von Nachhaltigkeit und Proteinwende an Relevanz gewinnt.

Die Falle: Wer nur auf Achse 1 spielt, konkurriert immer mit den großen Portalen. Chefkoch, EatSmarter, Springlane — sie alle decken das WAS systematisch ab. Ein einzelner Blogger kann Chefkoch nicht bei "Lasagne Rezept" schlagen. Aber er kann Chefkoch in jeder anderen Achse schlagen, weil die großen Portale dort gar nicht spielen.

Achse 2: Das WER (Identität und Lebenssituation)

Nicht "für wen kochst du?" — sondern "wer BIST du, wenn du kochst?" Die Lebenssituation bestimmt, was jemand braucht, mehr als die Ernährungsform.

Alleinerziehend kochen: Zeit knapp, Budget begrenzt, Kinder müssen mitessen. Das ist kein Diätthema — das ist ein Logistikthema. Student ohne Küche: Wasserkocher, Mikrowelle, ein Topf. Das ist eine Einschränkung, die Millionen betrifft und die fast kein Blog adressiert. Kochen nach der Scheidung: Plötzlich für eine Person kochen, Routinen sind weg, emotionale Komponente. Männer, die nie kochen gelernt haben: 82,7 Millionen TikTok-Posts unter #learningtocook. Kochen im Ruhestand: Zum ersten Mal Zeit, aber vielleicht Einschränkungen durch Gesundheit.

Achse 2 ist unterbedient, weil sie sich nicht in ein Keyword-Tool eingeben lässt. "Rezepte für Alleinerziehende" hat vielleicht 200 Suchanfragen pro Monat. Aber die Person, die das sucht, ist so dankbar für guten Content, dass sie zur treuen Leserin wird. Und treue Leser teilen, kommentieren und kaufen — das ist wertvoller als 10.000 flüchtige Google-Besucher.

Achse 3: Das WARUM (Emotion und Psychologie)

Die Beziehung ZUM Essen, nicht das Essen selbst.

Comfort Food und Nostalgie: Gerichte aus der Kindheit, das Rezept der Großmutter, Essen als emotionale Zeitreise. Stressessen — ehrlich und ohne Urteil: Millionen Menschen essen emotional, aber fast kein Blog spricht darüber ohne erhobenen Zeigefinger. Orthorexie: Die dunkle Seite von "Clean Eating" — wenn gesundes Essen zur Obsession wird. Intuitives Essen: Anti-Diät-Bewegung, Hunger- und Sättigungssignale, Versöhnung mit dem Körper. Food Grief: Trauer um Lebensmittel, die man nicht mehr essen kann — nach einer Diagnose, nach einer Allergie, nach einer Lebensveränderung.

Achse 3 ist Gold wert, weil sie emotionale Bindung schafft. Wer sich in seinem Verhältnis zu Essen verstanden fühlt, folgt einem Blog langfristig. Diese Nischen lassen sich schlecht mit Keyword-Tools finden, weil die Suchintention emotional ist, nicht informational. Aber genau deshalb sind sie unterversorgt.

Achse 4: Das WIE (Format und Erlebnis)

Nicht WAS du zeigst, sondern WIE du es zeigst.

ASMR Cooking: Keine Stimme, nur Geräusche. Schneiden, Brutzeln, Kneten. Wachsende Community, eigene Ästhetik. Mukbang: 4 Millionen TikTok-Videos, 308 Milliarden Views weltweit. Menschen essen vor der Kamera. Klingt absurd, ist ein Massenphänomen. Food Science: Warum geht Brot auf? Was passiert chemisch beim Karamellisieren? Die Wissenschaft hinter dem Kochen. Food History: Was haben die Römer gegessen? Woher kommt das Croissant wirklich? Geschichte als Rahmen für Rezepte. Ironie und Entertainment: Absurde Rezepte, bewusst schlechtes Kochen, kulinarische Satire.

Achse 4 ist eine Format-Entscheidung, keine Themen-Entscheidung. Du kannst exakt dasselbe Gericht kochen wie tausend andere Blogger — und trotzdem einzigartig sein, weil dein Format anders ist. Format ist oft der schnellste Weg zur Differenzierung, weil du kein neues Thema brauchst — nur eine neue Art, es zu erzählen.

Achse 5: Der KONTEXT (Umstände)

Die Situation, in der gekocht wird. Die Einschränkungen, die alles bestimmen.

Chronische Erkrankung: Histaminintoleranz, Reizdarm, Morbus Crohn. Jede dieser Diagnosen verändert das gesamte Essverhalten. Der Blog wird zur Lebenshilfe. Tiny Kitchen und Camping: Zwei Herdplatten, kein Backofen, minimale Ausstattung. Eine echte Einschränkung, die kreative Lösungen erfordert. Zero Waste Cooking: Schalen verwerten, Reste transformieren, nichts wegwerfen. Schichtarbeit: Essen um 3 Uhr nachts, Meal Prep für unregelmäßige Zeiten, Ernährung trotz zerstörtem Rhythmus. Kochen mit 5 Euro pro Tag — als Realität, nicht als Challenge: Nicht "ich mache das mal eine Woche zum Spaß", sondern echte Budgetküche für Menschen, bei denen es nicht anders geht.

Die eigentliche Erkenntnis

Eine gute Nische kombiniert mindestens zwei Achsen. "Vegane Rezepte" ist Achse 1 allein — übersättigt. "Vegane Rezepte für Studenten" ist Achse 1 plus 2 — besser. "Veganes Meal Prep für Schichtarbeiter mit Reizdarm" ist Achse 1 plus 2 plus 5 — null Konkurrenz.

Je mehr Achsen du kombinierst, desto spezifischer wird deine Nische, desto kleiner wird die Zielgruppe — aber desto stärker wird die Bindung. Und eine kleine, loyale Community ist mehr wert als ein Millionenpublikum, das beim nächsten Scroll weiterzieht.

Wichtig: Drei Achsen sind das Maximum für den Start. Vier oder fünf Achsen machen die Nische so eng, dass du nicht genug Content produzieren kannst. Starte mit zwei, teste die Resonanz, und füge bei Bedarf eine dritte hinzu.

Das Leser-Röntgenbild: Kenne die Person in deiner Nische

Das Blickwinkel-Modell zeigt dir, WO deine Nische liegt. Aber eine Nische ist kein Thema — eine Nische ist eine Person. Du brauchst ein zweites Werkzeug, um zu prüfen, ob du diese Person wirklich kennst.

Das Leser-Röntgenbild ist ein Framework aus vier Schichten, adaptiert aus dem B2B-Sales-Discovery-Prozess. In B2B-Vertrieb heißt es "Discovery Call" — das Gespräch, in dem du herausfindest, was der Kunde wirklich braucht, nicht was er sagt, dass er braucht. Dasselbe Prinzip gilt für Nischen-Blogs. Jede Schicht geht tiefer. Und die tiefste Schicht ist die wichtigste.

Das Leser-Röntgenbild

4 Schichten, um die Person in deiner Nische zu verstehen

NISCHEWer?
Ernährungs-
typ
Was isst diese Person (nicht)?
Vegan, histaminfrei, keto, „ich esse alles, aber bewusster“
Lebens-
situation
Wo und wie lebt sie?
Großstadt-Single, Familie auf dem Land, Studenten-WG, Schichtarbeiter
Themen-
achse
Was treibt sie an?
Gesundheit, Genuss, Sparsamkeit, Nachhaltigkeit, kulturelles Erbe
Haushalts-
größe
Für wie viele wird gekocht?
Allein, Paar, Familie mit 3 Kindern, WG mit 5 Leuten
Koch-
level
Wie viel kann sie schon?
„Kann Wasser kochen“, 5 Standardgerichte, ambitionierter Hobbykoch
ISTJetzt?
Aktuelle
Küche
Was isst und kocht sie wirklich?
„Bestelle 4× pro Woche, koche nur Pasta und TK-Pizza“
Gewohn-
heiten
Wie läuft das Kochen ab?
Kein Einkaufsplan, Impulskauf, kein Meal Prep, Reste wegwerfen
Erfolgs-
definition
Was bedeutet „gut gekocht“ für sie?
Schnell fertig? Gesund? Günstig? Instagram-tauglich? Kinder essen mit?
Aktuelle
Ziele
Was will sie gerade verändern?
„Weniger Geld für Essen ausgeben“, „abnehmen“, „für die Familie kochen können“
Besonder-
heiten
Was schränkt sie ein?
Allergien, Mini-Küche, Schichtarbeit, kein Ofen, kleines Budget
WUNSCHZiel?
Wunsch-
Ernährung
Was wäre das Ideal?
„Jeden Tag frisch kochen“, „gesund ohne Diätstress“
Wunsch-
Skills
Was will sie können?
Meal Prep, Sonntagsbraten, Brot backen, ohne Rezept improvisieren
Wunsch-
Gefühl
Wie will sie sich beim Kochen fühlen?
Entspannt, kreativ, souverän, stolz — nicht gestresst
Wunsch-
Ergebnis
Was soll am Ende rauskommen?
Geld sparen, Gewicht halten, Komplimente, gesündere Kinder
BLOCKADEStop?
Haupt-
problem
Was steht im Weg?
Keine Zeit, kein Wissen, Überforderung durch zu viel Auswahl
Dringlich-
keit
Warum ist es gerade jetzt dringend?
Arzt hat Diagnose gestellt, Budget wird knapp, Trennung, Kind kommt
Frustration
& Scham
Was nervt, was ist peinlich?
„Ich schaffe nicht mal ein einfaches Rezept“, Scham über Fertiggerichte
Fehl-
schläge
Was hat sie schon probiert — ohne Erfolg?
3 Diäten abgebrochen, teures Kochbuch nie benutzt, Thermomix verstaubt
Konse-
quenzen
Was passiert, wenn sich nichts ändert?
Gesundheitsprobleme, Geldverschwendung, schlechtes Gewissen
Ängste
Wovor hat sie Angst?
„Wird eh nicht schmecken“, „Zu kompliziert“, „Meine Familie isst das nicht“
Miss-
trauen
Wem oder was glaubt sie nicht?
„Foodblogger kochen nur für Fotos“, „In 30 Min — klar, mit Sous-Chef“
Was dir jede Schicht liefert
Nische + Ist
Welche Inhalte du erstellst
Wunsch
Wie du sie verpackst
Blockade
Warum jemand klickt
Der Test
Jede Zelle ausfüllen — nicht raten, sondern wissen

Schicht 1: NISCHE (Wer?)

Wer ist diese Person? Ernährungstyp, Lebenssituation, Themenachse aus dem Blickwinkel-Modell, Haushaltsgröße, Kochlevel. Das sind die Grunddaten. Die meisten Blogger bleiben hier stehen — und das ist der Fehler.

Schicht 2: IST-ZUSTAND (Jetzt?)

Was kocht und isst diese Person tatsächlich? Nicht was sie gerne kochen würde, sondern was heute Abend auf dem Tisch steht. Welche Gewohnheiten hat sie? Wie definiert sie Erfolg beim Kochen? Welche Ziele hat sie gerade? Welche konkreten Einschränkungen bestimmen ihren Alltag — zeitlich, finanziell, gesundheitlich?

Schicht 3: WUNSCH-ZUSTAND (Ziel?)

Wie sieht die ideale Ernährung dieser Person aus? Welche Fähigkeiten hätte sie gerne? Wie will sie sich nach dem Essen fühlen? Was ist das gewünschte Ergebnis — Gesundheit, Genuss, Kontrolle, Gemeinschaft, Unabhängigkeit?

Schicht 4: BLOCKADE (Stop?)

Das ist die wichtigste Schicht. Was hindert diese Person daran, vom IST zum WUNSCH zu gelangen? Was ist das Hauptproblem? Wie dringend ist es? Welche Frustration und Scham sind damit verbunden? Was hat sie schon versucht und warum hat es nicht funktioniert? Welche Konsequenzen hat das Nicht-Handeln? Welche Ängste spielen mit? Welches Misstrauen hat sie gegenüber "Experten" und deren Ratschlägen?

Jede einzelne Zelle in der Blockade-Schicht ist ein Blogpost, ein TikTok, ein Newsletter. Wenn jemand schreibt "Ich habe schon drei Diäten ausprobiert und jedes Mal zugenommen", dann ist das nicht nur ein Problem — das ist eine Headline, ein Video-Hook, ein Newsletter-Thema, ein Vertrauensanker.

So nutzt du die vier Schichten

Schicht 1 und 2 bestimmen, WELCHEN Content du erstellst. Schicht 3 bestimmt, WIE du ihn verpackst — welche Sprache du verwendest, welche Versprechen du machst, welche Transformation du anbietest. Schicht 4 bestimmt, WARUM jemand klickt, liest, folgt und kauft.

Der Test

Nimm ein leeres Blatt. Schreibe die vier Schichten als Spalten auf. Fülle jede Zelle mit konkreten Antworten — nicht geraten, sondern gewusst. Wenn du jede Zelle ausfüllen kannst, kennst du deine Nische. Wenn du raten musst, ist sie zu vage.

Das klingt hart. Aber genau das unterscheidet einen Nischen-Blog, der Leser bindet, von einem Nischen-Blog, der "irgendwie über gesundes Essen" schreibt und nach sechs Monaten aufgibt.

Google-fremde Nischen: Der blinde Fleck

Hier kommt ein Punkt, den fast kein Nischen-Guide anspricht: Es gibt Nischen, die auf Google schlicht nicht existieren. Kein Suchvolumen, keine Keywords, keine SERP-Ergebnisse. Und trotzdem haben sie Millionen von Zuschauern.

Diese Nischen leben zu 100 % auf Social Media. Und das ist kein Makel — es ist ein strategischer Vorteil.

NischePlattformWarum Google irrelevant ist
Mukbang / ASMR EatingTikTok, YouTubeNiemand googelt "jemandem beim Essen zuschauen"
"What I Eat in a Day"TikTok, InstagramTagebuchformat, keine Suchintention
Girl DinnerTikTokKultureller Kommentar, kein Rezept
Ernährungsmythen-DebunkingTikTok, ReelsLebt von Empörung und Bildung, nicht von Suche
Tabuthemen (Mikroplastik in Gewürzmühlen, Schadstoffe im Essen)TikTok, YouTubeZu spezifisch für SEO, aber viral auf Social
Food FailsTikTok, InstagramEntertainment, kein Informationsbedürfnis
Budget Cooking als Überlebenspraxis (#pantrymeals)TikTokCommunity, Solidarität, Würde — nicht "5-Euro-Challenge"

Die strategische Konsequenz ist zweiteilig.

Erstens: Google-freie Nischen brauchen kein SEO. Du verschwendest keine Zeit mit Keyword-Recherche, Meta-Descriptions und Backlink-Aufbau. Stattdessen investierst du in eine Social-Media- und Community-Strategie — Newsletter, Discord, Membership. Das sind andere Skills, aber sie sind lernbar.

Zweitens — und das ist der wichtigere Punkt: Google AI kann diesen Traffic nicht kannibalisieren. AI Overviews können nur Antworten auf Suchanfragen geben, die existieren. Wenn niemand googelt "jemandem beim Essen zuschauen", gibt es nichts zu kannibalisieren. Deine Nische ist unsichtbar für den größten Disruptor der Blogosphäre. Das ist 2026 ein echtes Asset.

Das bedeutet nicht, dass Google-freie Nischen risikolos sind. TikTok kann seinen Algorithmus ändern. Instagram kann Reels weniger priorisieren. Aber das Risiko ist verteilt — und du kannst es durch eigene Assets (Newsletter, Community) absichern.

So findest du heraus, ob deine Nische besetzt ist

Du hast eine Nische im Kopf. Jetzt musst du prüfen, ob dort schon jemand sitzt — und wenn ja, wie gut. Vier Schritte.

Nischen-Recherche: Der Entscheidungsbaum

Von der Idee zur validierten Nische — Schritt für Schritt

Du hast eine Nischen-Idee
Schritt 1: Google
Google-Suche: Gibt es Ergebnisse für dein Thema?
Ja
Seite 1: Nur große Portale (Chefkoch, EatSmarter)?
Ja
Schwer reinzukommenStarker Angle oder andere Achse nötig
Nein
Content-Lücke!Foren, alte Artikel, Pinterest = Chance bei Google
Nein
TikTok/Instagram: Gibt es Content zu deinem Thema?
Ja
Nein
Völlig neue Nische!Teste mit 10 Beiträgen, ob Resonanz kommt
Alle Wege führen zum nächsten Schritt ↓
Schritt 3: Community
Reddit, Chefkoch-Foren, Facebook-Gruppen: Gibt es unbeantwortete Fragen zu deinem Thema?
Ja
Nische validiert!Es gibt Bedarf — und niemand bedient ihn gut
Nein
Nische anpassenAndere Achse hinzunehmen oder Angle ändern
Weiter zum Realitäts-Check ↓
Schritt 4: Realitäts-Check
Fallen dir 50 Beiträge zu diesem Thema ein — ohne zu googeln?
Ja
GO! Starte mit 10 Beiträgen.Echte Expertise + validierter Bedarf = deine Nische
Nein
Nische zu engAchse erweitern oder zweite Achse dazunehmen

Schritt 1: Google-Check

Suche dein Haupt-Keyword in Anführungszeichen. Prüfe Google Trends (steigend oder fallend?). Analysiere die SERP:

  • Nur große Portale in den Top 10? Schwieriger Einstieg, aber nicht unmöglich.
  • Foreneinträge und alte Artikel in den Top 10? Goldgrube. Das Thema hat Nachfrage, aber niemand bedient es gut.
  • AI Overview vorhanden? Dann wird ein Blog allein nicht reichen — du brauchst eine Multi-Plattform-Strategie.

Der "Seite-2-Test": Schau dir Seite 2 der Google-Ergebnisse an. Wenn dort Reddit-Posts und Artikel von 2019 stehen, ist die Nische unterversorgt. Niemand hat sich die Mühe gemacht, ordentlichen Content zu produzieren. Das ist dein Einstiegsfenster — aber handle schnell, denn andere lesen dieselben Guides.

Schritt 2: Social-Media-Check

Suche dein Nischen-Thema als Hashtag auf TikTok. Prüfe Instagram Explore. Schau auf YouTube.

Der Sweet Spot: 10.000 bis 100.000 Follower bei den Top-Accounts. Das bedeutet: echtes Interesse, aber noch kein dominanter Player. Wenn der größte Account 2 Millionen Follower hat und professionelle Videoproduktion macht, wird der Einstieg schwerer. Wenn die größten Accounts bei 50.000 stehen und authentischen Content machen, ist Platz für dich.

Achte auf das Verhältnis von Creator-Dichte zu Publikumsgröße. Viele Zuschauer, wenige Creator = Opportunity. Wenige Zuschauer, viele Creator = übersättigt.

Noch ein Tipp: Sortiere TikTok-Suchergebnisse nach "Meistgeliked" statt "Relevanz". Das zeigt dir, welcher Content in deiner Nische tatsächlich performt — und was die Leute sehen wollen, nicht was der Algorithmus gerade pushed.

Schritt 3: Community-Check

Suche auf Reddit (r/cooking, r/EatCheapAndHealthy, r/ketorecipes). Suche in Facebook-Gruppen. Schau auf Chefkoch-Foren und gutefrage.net.

Die beste Entdeckung: Eine Facebook-Gruppe mit 10.000+ Mitgliedern, aber kein dedizierter Blog zum Thema. Das bedeutet: Die Community existiert, der Bedarf ist da, aber niemand hat ihn professionell bedient. Lies die Posts. Lies die Kommentare. Schreib dir die Fragen auf, die immer wieder gestellt werden. Das sind deine ersten 20 Blogposts.

Achte auch auf die Tonalität. Wie reden die Menschen in der Community? Welche Begriffe verwenden sie? Sagen sie "Histaminintoleranz" oder "HIT"? Sagen sie "Reizdarm" oder "IBS"? Deine Sprache muss ihre Sprache sein — sonst wirst du nicht als "eine von uns" wahrgenommen.

Schritt 4: Realitäts-Check

Drei Fragen, die kein Tool beantworten kann:

  1. Kannst du 50 Posts schreiben, ohne zu googeln? Wenn ja, hast du echte Expertise. Wenn nicht, ist es eine Nische, die dich interessiert, aber in der du (noch) kein Experte bist.
  2. Würdest du es tun, wenn niemand zuschaut? Wenn ja, hast du Durchhaltevermögen. Wenn nicht, wirst du nach sechs Monaten aufgeben — und sechs Monate sind zu kurz, um einen Blog aufzubauen.
  3. Gehörst du bereits zur Community? Wenn ja, kennst du die Sprache, die Probleme, die Insider-Witze. Wenn nicht, wirst du als Außenseiter wahrgenommen.

Wenn du alle drei Fragen mit Ja beantworten kannst, hast du nicht nur eine Nische — du hast einen unfairen Vorteil. Denn Expertise plus Leidenschaft plus Community-Zugehörigkeit ist die Kombination, die kein Wettbewerber kopieren kann. KI kann Rezepte generieren. Aber KI kann nicht Teil einer Community sein.

Bonus: Du hast schon einen Blog? Google zeigt dir deine Nische.

Wenn du bereits einen Blog betreibst, hast du eine Datenquelle, die Starter nicht haben: Google selbst sagt dir, wofür du stehst.

Google deinen Markennamen. Nicht dein Hauptkeyword — deinen Blognamen. Was zeigt Google? Welche Seiten werden zuerst angezeigt? Welche Sitelinks erscheinen? Welche verwandten Suchanfragen schlägt Google vor? Das ist Googles ehrliche Einschätzung, worum es bei deinem Blog geht. Wenn du dich als "Foodblog für gesundes Essen" siehst, Google aber hauptsächlich deine Backrezepte anzeigt — dann ist das deine tatsächliche Nische, nicht die, die du dir ausgedacht hast.

Öffne die Google Search Console. Sortiere nach Impressionen und Klicks. Die Artikel und Keywords, für die du am höchsten rankst, sind kein Zufall. Google hat sich aktiv entschieden, dich dort zu zeigen. Das bedeutet: In diesen Themen traut Google dir Expertise zu. Das ist ein Fundament, auf dem du aufbauen kannst — statt bei null anzufangen.

Konkret: Exportiere deine Top-50-Keywords aus der Search Console. Sortiere sie in Cluster. Du wirst Muster erkennen — Themenfelder, in denen du unbewusst stark bist. Diese Cluster sind dein Nischen-Kern. Alles andere ist Streuung, die du bewusst beibehalten oder loslassen kannst.

Der strategische Vorteil: Starter müssen raten, ob ihre Nische funktioniert. Du kannst es sehen. Nutze das.

Der Elefant im Raum: Google-Traffic allein reicht nicht mehr

Bevor du dich in die Nischenwahl stürzt, musst du eine unbequeme Wahrheit kennen. Die Daten sprechen eine klare Sprache. Ein Blick auf Google Trends für Deutschland über die letzten fünf Jahre:

SuchbegriffVeränderung (5 Jahre)
chefkoch-30 %
chefkoch rezepte-40 %
thermomix rezepte-30 %
thermomix-40 %
low carb rezepte-50 %
kuchen rezepte-4 %
schnelle rezepte+30 %
zucchini rezepte+50 %

Das Muster ist eindeutig: Generisches stirbt, Spezifisches wächst. "Low Carb Rezepte" verliert die Hälfte seines Suchvolumens. "Zucchini Rezepte" — eine konkrete Zutat, eine spezifische Suchintention — legt um 50 % zu. Das ist kein Zufall. Das ist ein struktureller Wandel im Suchverhalten.

Und dann ist da Google AI. AI Overviews erscheinen bereits in 35 % der Desktop-Suchergebnisse in den USA. Food-Blogger berichten von 30 bis 80 % Traffic-Verlust. Google erstellt "Frankenstein-Rezepte" — zusammengestückelte Antworten aus verschiedenen Quellen, bei denen kein Blog einen Klick bekommt.

Was das für deine Nischenwahl bedeutet:

Eine reine "Rezepte für Google"-Strategie ist 2026 riskant. Wenn dein gesamter Traffic von Google kommt und Google anfängt, die Antwort direkt in den Suchergebnissen zu geben, verlierst du über Nacht dein Publikum.

Die sicherste Position ist Multi-Plattform: Blog als inhaltlicher Hub, Social Media für Reichweite, Newsletter als Owned Asset. Wenn Google crasht, steht Social. Wenn TikTok seine Regeln ändert, steht der Blog. Wenn beides wackelt, hast du deine E-Mail-Liste.

Google-freie Nischen sind paradoxerweise SICHERER. Wenn deine Nische auf TikTok lebt und Google sie nicht kennt, kann Google sie auch nicht kannibalisieren. Das klingt kontraintuitiv, ist aber 2026 ein legitimer strategischer Vorteil.

Der Schlüssel liegt im Owned Asset. Egal ob Google-native, Social-native oder Hybrid: Dein Newsletter ist das Einzige, was dir wirklich gehört. Google kann seinen Algorithmus ändern. TikTok kann dein Konto sperren. Aber deine E-Mail-Liste kann dir niemand wegnehmen. Baue sie vom ersten Tag an auf.

Google vs. Social: Wo lebt deine Nische?

Jede Nische hat einen natürlichen Lebensraum — finde deinen

Google-Suchvolumen →
Social-Media-Aktivität →
Social-onlyKein Google nötig, aber Plattform-RisikoÜbersättigtNur mit starkem AngleMicro-NischeCommunity-driven, langsames WachstumGoogle-nativeSEO-Play, aber AI-Overview-RisikoHybrid Sweet Spot
Vegane Rezepte
Meal Prep für Familien
Kochen mit Reizdarm
Histaminfrei!
Schwäbische Küche
Hybrid Sweet Spot
Social-only
Google-native
Übersättigt
Micro-Nische

Drei Nischen-Strategien im Vergleich

Theorie ist gut. Konkrete Beispiele sind besser. Hier sind drei Nischen mit drei verschiedenen Strategien.

A: Klassisch-Google — "Histaminfreie Küche"

Geringe Google-Konkurrenz, klare Suchintention. Menschen mit Histaminintoleranz suchen aktiv nach Rezepten, Lebensmittellisten und Erfahrungsberichten.

Strategie: SEO-optimierte Rezepte, Schema.org-Markup, Long-Tail-Keywords wie "histaminarmes Frühstück schnell" oder "histaminfreier Kuchen ohne Ei". Blog als zentrales Medium.

Risiko: AI Overviews. Google könnte Histamin-Lebensmittellisten direkt in den Suchergebnissen anzeigen und den Klick auf deinen Blog überflüssig machen. Deshalb: Newsletter aufbauen, bevor Google übernimmt. Die persönliche Erfahrung und die erprobten Rezepte einer Betroffenen kann keine AI ersetzen — aber du musst diese Beziehung aufgebaut haben, bevor der Traffic einbricht.

B: Social-First — "Ernährungsmythen entlarven"

Lebt von Empörung und Bildung. Kein nennenswertes Suchvolumen, weil niemand googelt "stimmt es dass Salz aus der Plastikmühle Mikroplastik enthält?" — aber der Content geht viral.

Strategie: TikTok und Reels mit kurzen, kontroversen Clips. Newsletter für Tiefe und Hintergrund. Blog als Archiv und Vertrauensbeweis. Beispielcontent: "Warum Salz aus der Plastikmühle problematisch ist" — Mikroplastik, Mahlwerkmaterial, Hitzeentwicklung. Das googelt niemand. Aber auf TikTok explodiert es.

Risiko: Plattformabhängigkeit. Wenn TikTok seinen Algorithmus ändert, bricht die Reichweite ein. Deshalb: Blog als Backup, Newsletter als Rückversicherung.

C: Hybrid (die beste Strategie für 2026) — "Kochen mit chronischer Erkrankung"

Google-Volumen existiert (Histamin, Reizdarm, Morbus Crohn — das wird aktiv gesucht) UND TikTok-Community existiert (Chronisch-krank-Creator sind eine wachsende Bewegung).

Strategie: Rezepte auf dem Blog (SEO), persönliche Erfahrungen auf Social Media (Reichweite und Vertrauen), Community via Newsletter (Owned Asset). Wenn Google crasht, steht Social. Wenn TikTok sich ändert, steht der Blog. Wenn beides wackelt, hast du deine Liste.

Vorteil: Redundanz. Kein Single Point of Failure. Das ist die resilienteste Nischen-Strategie für 2026. Und sie hat einen weiteren Effekt: Dein Blog-Content füttert dein Social Media (Rezept wird zum Reel), dein Social Media füttert deinen Blog (Kommentare zeigen dir, welche Rezepte gefragt sind), und dein Newsletter hält beides zusammen. Ein sich selbst verstärkender Kreislauf.

Dein Aktionsplan: Von der Idee zur validierten Nische

Du hast jetzt zwei Denkwerkzeuge und drei Strategiemodelle. Jetzt geht es um die Umsetzung. Sieben Schritte. Kein Schritt ist optional.

  1. Wähle mindestens 2 Achsen aus dem Blickwinkel-Modell. Achse 1 allein reicht nicht. Kombiniere WAS mit WER, WARUM, WIE oder KONTEXT.

  2. Formuliere deine Nische als Satz: "Ich helfe [WER], [WAS] zu [WARUM], durch [WIE], in [KONTEXT]." Wenn der Satz nicht klar ist, ist die Nische nicht klar.

  3. Fülle alle 4 Schichten des Leser-Röntgenbilds aus. Wenn du raten musst, ist die Nische zu vage. Geh raus und sprich mit echten Menschen in deiner Zielgruppe.

  4. Recherchiere: Google-Check, Social-Media-Check, Community-Check. Alle drei. Nicht nur einen.

  5. Entscheide die Plattform-Strategie: Google-native (SEO-Blog), Social-native (TikTok/Reels + Newsletter) oder Hybrid (beides). Die richtige Wahl hängt davon ab, wo deine Zielgruppe lebt — nicht wo du dich am wohlsten fühlst.

  6. Teste: Veröffentliche 10 Posts. Miss die Reaktion. Nicht Follower-Zahlen — echte Reaktionen. Kommentare, Saves, Shares, Antworten auf deinen Newsletter. Wenn nach 10 Posts Stille herrscht, stimmt etwas nicht.

  7. Justiere: Schärfe oder erweitere deine Nische basierend auf echtem Feedback. Nicht auf deinem Bauchgefühl, nicht auf Keyword-Daten — auf dem, was echte Menschen dir zurückspiegeln.

Mehr zum Thema Blogging findest du in unserem Artikel Foodblog starten: Der komplette Guide.