Lektionen7

Rezeptkategorien und Taxonomien planen

Lerne, wie du Kategorien, Tags und eigene Taxonomien für deinen Foodblog sinnvoll planst, inklusive Permalink-Logik, Breadcrumbs und manuell kuratierten Sammlungsseiten.

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WordPress

Kategorien, Tags und eigene Taxonomien unterscheiden

Wir haben dieses Frühjahr einen Foodblog mit 80 Rezepten übernommen, der genau eine Tag-Wolke hatte: 60 Tags, davon 50 mit ein bis zwei Beiträgen...

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Wir haben dieses Frühjahr einen Foodblog mit 80 Rezepten übernommen, der genau eine Tag-Wolke hatte: 60 Tags, davon 50 mit ein bis zwei Beiträgen. "Schnell", "einfach", "Sommer", "Pasta-rot", "Pasta-weiß", gewachsen, nicht geplant. Bevor wir migrieren konnten, mussten wir 80 Prozent dieser Tags löschen und durch zwei Custom Taxonomies ersetzen. Solche Aufräumaktionen lassen sich vermeiden, wenn man früh genug die richtigen Begriffe sortiert.

Genau darum geht es in dieser Lektion: drei Begriffe sauber auseinanderhalten, damit du in Lektion 2 entscheiden kannst, was dein Blog wirklich braucht.

Drei Begriffe, die im ganzen Kurs vorkommen

  • Taxonomie, die Klassifikations-Kategorie selbst, also der Rahmen. "Rezeptkategorien" ist eine Taxonomie. "Schlagwörter" ist eine Taxonomie. "Küche" ist eine Taxonomie.
  • Begriff (de) / Term (en), ein konkreter Eintrag innerhalb einer Taxonomie. "Pasta" ist ein Begriff der Taxonomie "Rezeptkategorien". Im englischen Backend und in Plugin-Oberflächen (RankMath Primary Term, Yoast Primary Category) liest du "Term", im deutschen Backend "Begriff". Wir bleiben im Kurs bei "Begriff".
  • Archivseite, die automatisch erzeugte Listenseite, die WordPress für jeden Begriff anlegt. Pro Begriff entsteht eine eigene URL mit einer chronologischen Beitragsliste, du legst sie nicht selbst an, WordPress baut sie sofort, sobald der Begriff existiert.

Diese drei Wörter ziehen sich durch alle weiteren Lektionen. Wenn du in Lektion 5 liest "pro Archivseite entscheiden, ob sie sichtbar bleibt", dann ist genau diese automatische Listenseite gemeint, nicht eine Seite, die du im Backend angelegt hast.

Kategorien und Schlagwörter: zwei Standard-Taxonomien

WordPress liefert zwei Taxonomien direkt mit, ohne Plugin, ohne Theme:

  • Kategorien (category), hierarchisch. Du kannst "Hauptgerichte" als Oberbegriff anlegen und "Pasta", "Aufläufe" und "Eintöpfe" darunter sortieren. Jede Kategorie kann Unterkategorien haben.
  • Schlagwörter / Tags (post_tag), flach. Es gibt keine Über- oder Unterordnung. Ein Tag "schnell" oder "vegetarisch" klebt einfach am Beitrag, gleichberechtigt neben allen anderen Tags.

Beide erzeugen automatisch Archivseiten: deinblog.de/category/pasta/ für die Kategorie Pasta, deinblog.de/tag/schnell/ für den Tag "schnell". Die URL-Bausteine /category/ und /tag/ sind WordPress-Standard und lassen sich verändern, dazu mehr in Lektion 3.

Kategorien und Tags im direkten Vergleich für Foodblogs

Der praktisch wichtigste Unterschied steht in der Mitte der Grafik: Hierarchie. Eine Kategorie kann untergeordnet sein, ein Tag nicht. Wenn du in deinem Blog später eine Struktur wie "Hauptgerichte → Pasta → Spaghetti-Rezepte" haben willst, geht das nur mit Kategorien. Tags sind immer auf einer Ebene.

Die zweite Daumenregel daraus: Kategorien für die grobe Einteilung, Tags nur, wenn du genau weißt, dass du sie konsequent benutzt. Bei den Blogs, die wir betreuen, sehen wir den Tag-Wildwuchs aus dem ersten Absatz so oft, dass wir Tags inzwischen erst empfehlen, wenn jemand erklären kann, warum genau dieser Tag in mindestens fünf Rezepten auftauchen wird. Vorher bleibt das Feld leer.

Custom Taxonomies: zusätzliche Ordnungssysteme

Custom Taxonomies sind eigene Klassifikations-Systeme, die nicht zu WordPress-Core gehören. Dein Rezept-Plugin oder dein Rezept-Theme registriert sie über register_taxonomy(), das passiert technisch im Hintergrund, du siehst sie im Backend einfach als zusätzlichen Block neben "Kategorien" und "Schlagwörter".

Typische Beispiele auf Foodblogs:

  • Küche, Italienisch, Asiatisch, Deutsch, Französisch
  • Anlass, Weihnachten, Geburtstag, Grillen, Meal Prep
  • Ernährungsweise, Vegan, Vegetarisch, Glutenfrei, Low Carb
  • Saison, Frühling, Sommer, Herbst, Winter

Custom Taxonomies können hierarchisch oder flach sein, das wird beim Anlegen entschieden. "Küche" macht meistens als flache Taxonomie Sinn (Italienisch und Asiatisch stehen gleichberechtigt nebeneinander). "Anlass" ebenfalls. Hierarchisch wird es interessant, wenn du Unterbegriffe brauchst, bei den meisten Foodblogs reicht flach.

Die genauen Namen und Slugs hängen davon ab, was du einsetzt. Welche Taxonomien dein Plugin oder Theme mitbringt, entscheidest nicht du, das steht in der Plugin-Doku oder in den Theme-Einstellungen. Im Kurs sprechen wir deshalb neutral von "deiner Rezeptlösung". Konkrete Plugin-Namen (z. B. WP Recipe Maker, Tasty Recipes) erwähnen wir nur als Beispiele, nicht als Default.

Custom Taxonomies und ihre Auftrittsorte: Archiv-Filter, Rezeptsuche, Preview-Cards

Der entscheidende Hebel steht in der Grafik: Eine einmal angelegte Taxonomie wird im Blog mehrfach verwertet. "Vegan" als Begriff der Taxonomie "Ernährungsweise" landet automatisch im Archiv-Filter, in der Rezeptsuche und auf den Preview-Cards. Du pflegst den Begriff einmal, das Theme zieht ihn an drei oder vier Stellen.

Auch Custom Taxonomies erzeugen Archivseiten

Das ist der Punkt, an dem viele Bloggerinnen unterschätzen, was sie da anlegen: Jede Custom Taxonomy verhält sich wie Kategorien und Tags, nur mit eigenem URL-Slug. Eine Taxonomie "Anlass" mit den Begriffen "Weihnachten", "Geburtstag" und "Grillen" erzeugt drei automatische Archivseiten, eine pro Begriff. Wenn du zehn Begriffe anlegst, hast du zehn weitere URLs, die Google indexieren oder ignorieren muss.

Drei Taxonomien mit je zehn Begriffen sind schnell 30 zusätzliche Archivseiten. Plus die Kategorien. Plus die Tags. Wer ohne Plan loslegt, hat in zwei Monaten 80 dünne Archivseiten, und genau das ist der Übernahme-Befund vom Anfang dieser Lektion.

Crawl-Budget und Thin Content, kurz eingeordnet

Google indexiert nicht alles, was du veröffentlichst. Stattdessen vergibt Google ein Crawl-Budget pro Domain, die Zeit, die der Bot in deinem Blog verbringt. Wenn 80 Prozent deiner indexierten URLs Tag-Archive mit ein bis zwei Rezepten sind, leidet die Sichtbarkeit deiner eigentlichen Rezepte. Die Bezeichnung dafür ist Thin Content: Seiten, auf denen so wenig Inhalt steht, dass Google sie als minderwertig einstuft.

Custom Taxonomies sind nicht automatisch besser oder schlechter als Tags, entscheidend ist die Befüllung. Eine Taxonomie "Küche" mit dem Begriff "Japanisch", in der genau zwei Rezepte hängen, erzeugt eine genauso dünne Archivseite wie ein Tag mit einem Beitrag. Die Form ist eine andere, das Problem ist dasselbe.

Wann nimmst du was?

Die kurze Daumenregel, sie wird in Lektion 2 vertieft, hier erstmal als Überblick:

  • Kategorien für die grobe, hierarchische Hauptordnung deiner Rezepte. Jeder Foodblog braucht sie.
  • Custom Taxonomies für sinnvolle Filterungen, die quer zur Hauptordnung laufen, also Eigenschaften, die in mehreren Kategorien-Ästen vorkommen (Ernährungsweise, Saison, Anlass).
  • Tags nur, wenn du sie konsequent über mindestens fünf Rezepte hinweg vergeben wirst und sie keine Doppelung zu Kategorien oder Custom Taxonomies sind. Im Zweifel weglassen.

Drei typische Fehlentscheidungen, und wie sie sich anfühlen

Aus den Migrationsprojekten der letzten Jahre lassen sich drei Muster herausziehen, die du wiedererkennst, wenn du sie einmal gesehen hast:

  • Tag, der eigentlich eine Custom Taxonomy sein sollte. Beispiel: "vegan" als Tag. Klingt naheliegend, klebt am Beitrag, fertig. Drei Jahre später hast du 80 vegane Rezepte unter /tag/vegan/ und 80 vegetarische unter /tag/vegetarisch/, beides eigentlich Werte einer Eigenschaft "Ernährungsweise", die als Custom Taxonomy mit Filterfunktion deutlich nützlicher gewesen wäre. Tags lassen sich später nur mühsam in Custom Taxonomies umbauen.
  • Custom Taxonomy, die eigentlich ein Rezeptfeld ist. Beispiel: "Zubereitungszeit unter 30 Minuten" als Custom Taxonomy. Das ist keine Klassifikation, das ist ein numerischer Schwellwert, er gehört als Filterabfrage auf die Zubereitungszeit-Eigenschaft des Rezepts, nicht als eigene Taxonomie mit Archivseite.
  • Kategorie, die eigentlich eine Querschnitts-Eigenschaft ist. Beispiel: "Vegan" als Kategorie. Das passt nicht in die Hierarchie der Hauptgerichte (vegan ist kein Gericht-Typ), und Rezepte landen zwangsläufig in zwei Kategorien gleichzeitig, Pasta-Rezept als "Pasta" und "Vegan". Daraus wird in Lektion 2 das zentrale Eindeutigkeitsprinzip.

Das Muster ist immer dasselbe: Die Form (Kategorie / Tag / Custom Taxonomy) passt nicht zum Inhalt. In Lektion 2 schauen wir uns konkret an, welche Form für welchen Inhalt funktioniert, und welche drei bis vier Taxonomien für einen typischen Foodblog ausreichen.

Mach das jetzt: Öffne dein WordPress-Backend und schau unter Beiträge → Kategorien und Beiträge → Schlagwörter nach, was bei dir schon angelegt ist. Wenn du in der Tag-Liste fünf oder mehr Tags siehst, die nur einen Beitrag haben, ist das schon der erste Aufräumkandidat. Notiere dir die Anzahl der Tags und die Anzahl der Tags mit nur einem Beitrag, diese zwei Zahlen brauchst du in Lektion 6 für die Checkliste.

Im nächsten Schritt schauen wir uns an, welche Taxonomien für einen Foodblog wirklich sinnvoll sind, und wie du den Kategorienbaum so planst, dass jedes Rezept eindeutig in genau einem Ast liegt.

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